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Bericht Jahreshauptversammlung 2019

„Nach dem Käfer ist vor dem Käfer“

so betitelte die Siegener Zeitung ihren Bericht über die Jahreshauptversammlung des Waldbauvereins Altenkirchen e. V. am 03.04.2019 in Wissen

Zum internen Teil begrüßte der Vorsitzende Friedrich Freiherr von Hövel die anwesenden Mitglieder und stellte die form- und fristgerechte Einladung zur Versammlung fest.

Im Gedenken an die im vergangenen Jahr verstorbenen Mitglieder erhoben sich die Anwesenden von ihren Plätzen.

In seinem Geschäftsbericht erinnerte der Geschäftsführer Alois Hans an die wichtigsten Veranstaltungen und Aktivitäten des vergangenen Jahres:

Der Vorsitzende erläuterte sodann die wichtigsten Einnahme- u. Ausgabenpositionen im Haushalt des vergangenen Jahres. Im Wesentlichen stimmen Haushaltsansätze und Istwerte überein. Abweichungen wurden erläutert.
Für die Kassenprüfer trug Herr Rudi Weigold den Kassenbericht vor. Er berichtete von einer ordentlichen und vollständig belegten Kassenführung. Beanstandungen ergaben sich keine.
Die anschließend vorgeschlagene Entlastung von Vorstand und Geschäftsführung wurde von der Versammlung einstimmig beschlossen.
Gleiches gilt für die Annahme des vom Vorstand vorgelegten Haushaltsplans für 2019.

Neuwahl des Vorstandes
Der Ehrenvorsitzende Otto Heinemann umriss die schwierige aktuelle Lage und bat den Vorsitzenden und den Geschäftsführer um Standfestigkeit. Er schlug der Versammlung vor, Friedrich Freiherr von Hövel als Vorsitzenden wieder zu wählen. Andere Vorschläge gab es nicht. In offener Wahl wurde der Vorgeschlagene erneut und ohne Gegenstimme als Vorsitzender gewählt.
Danach übernahm der Vorsitzende die Wahlleitung und schlug die Vorstandsmitglieder, die sich erneut zur Wahl stellen einzeln zur Wiederwahl vor, weitere Vorschläge gab es nicht. Die Vorgeschlagenen Bernd Theis (Stv. Vorsitzender), Fritz Otto Klotz, Rainer Schuster, Eberhard Seibert, Florian Gränz, Georg Reifenröther, Hubert Brück, Raphael Traut, Winfried Bay und Friedhelm Rütscher wurden ohne Gegenstimme in offener Wahl wiedergewählt.
Für die aus dem Vorstand ausscheidenden Mitglieder Reinhard Lindlein und Friedhelm Mockenhaupt schlug der Vorsitzende die Herren Christoph Idelberger und Hans-Georg Gerhardus als Nachrücker vor. Die Herren stellten sich kurz vor, Gegenvorschläge gab es nicht. Ihre Wahl erfolgte ohne Gegenstimme in offener Abstimmung.
Anschließend würdigte Freiherr von Hövel die fast 30-jährige Tätigkeit von Herrn Lindlein für den Waldbauverein als Geschäftsführer, Vorsitzender und Vorstandsmitglied. Er unterrichtete die Versammlung darüber, dass der Vorstand Herrn Lindlein für seine Verdienste die Ehrenmitgliedschaft verliehen hat. Dies wurde von der Versammlung mit großem Applaus bestätigt. Er überreichte Herrn Lindlein ein Buchgeschenk. Reinhard Lindlein blickte zurück auf seine Zeit beim Waldbauverein, schilderte die Veränderungen und Herausforderungen, die die Zeit mit sich gebracht hat, betonte die Notwendigkeit der Professionalisierung und sieht Vorstand und Geschäftsführung gut aufgestellt.

Zum Statusbericht der Holzvermarktungsgesellschaft Westerwald Sieg GmbH Forstwirtschaftliche Vereinigung (HWS) erläuterte der Geschäftsführer der HWS Alois Hans die wichtigsten Kennzahlen des siebten Geschäftsjahres seit Firmengründung.
Das Jahr begann mit Stürmen, deren Ausmaß hier wie andernorts weit unterschätzt wurde und setzte sich mit einer Borkenkäferkalamität bisher nicht gekannten Ausmaßes fort. Die über 50.000 Fm (ursprünglich geplant waren 38.000 Fm) verkauften Holzes stammten sämtlich aus diesen Kalamitäten. Die sich im Jahresverlauf zunehmend verschlechternde Marktlage, machte den Holzverkauf zu einer echten Herausforderung, die nur durch die über die Jahre gewachsenen Geschäftsbeziehungen zu den Abnehmern einigermaßen zufriedenstellend gelöst werden konnte. Zahlreiche Informationen und Appelle an Revierleiter und Waldbesitzer, die Holzproduktion an die Vermarktungsmöglichkeiten anzupassen, wurden nicht von allen gleichermaßen beherzigt. Das führte zu massiven Störungen der Verkaufsprozesse, Qualitätsverschlechterungen der Waldlager und Unmut bei allen Beteiligten. Die Lehre daraus kann nur sein, die Kommunikation zwischen Verkauf und Produktion weiter zu verbessern und die bislang weitgehend ungesteuerte Produktion deutlich besser auf die Vermarktung abzustimmen. Dies gilt es aktuell zu beweisen, da sich die durch die Borkäfermassenvermehrung ausgelöste Kalamität(zusätzlich verschlimmert durch erneuten Sturmwurf) in 2019 fortsetzen wird. Die Lage ist gekennzeichnet durch einen völlig überlasteten Holzmarkt, halbierte Preise für die Hauptsortimente und Sorge vor einer weiteren Entfesselung der schon vorhandenen Forstschutzprobleme.
Durch die ungeplante Mehrvermarktungsmenge verbessert sich das Jahresergebnis 2018 der HWS deutlich. Da in 2019 mit einer noch größeren Verkaufsmenge gerechnet wird, wird das Vermarktungsentgelt für dieses Jahr um ein Drittel reduziert.
Seit 01.01.2019 verkauft die HWS auch das Holz der Kommunen im Kreis. Dieser Prozess gestaltete sich viel leichter als ursprünglich gedacht, da die Bürgermeister von Beginn an großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit der HWS zeigten.
Mit einem Ausblick auf die Unwägbarkeiten der Waldbewirtschaftung in Zeiten des Klimawandels und einem Hinweis auf eine geplante Informationsveranstaltung zu Maßnahmen und Strategien gegen die grassierende Borkenkäferkalamität schloss der Geschäftsführer seinen Vortrag.
Auf die Nachfrage eines Haubergsvorstehers, dass er von der HWS eine klare Handlungsanweisung in der jetzigen Situation vermisse, antwortete der GF, dass er alle holzmarktrelevanten Informationen ständig mit dem Forstamt austausche und die Bewirtschaftung des Waldes nach wie vor Sache des Waldbesitzers in Zusammenarbeit mit dem Revierleiter des Forstamtes sei. Eine planmäßige Bewirtschaftung des Waldes sei in der jetzigen Situation illusorisch, da Borkenkäfer und Sturm die Vorgaben bestimmen. Forstamtsleiter Kick stimmte dem zu und riet, alle forstschutzrelevanten Bäume umgehend aufzuarbeiten. Regionalleiter Ridderbusch ergänzte, dass man sich von der Vorstellung verabschieden müsse, alle betroffenen Bäume aufarbeiten und vermarkten zu können und man strategisch so vorgehen müsse, dass die vorhandenen Kapazitäten auf die Bereiche gelenkt werden, wo man durch eigenes Handeln, der Kalamität Einhalt gebieten könne. Dort wo aus Forstschutzgründen nichts mehr zu gewinnen sei, solle man sich abwenden.

Nachdem keine weiteren Fragen aus der Versammlung gestellt wurden, bedankte sich Freiherr von Hövel bei Herrn Hans für die geleistete Arbeit unter schwierigen Bedingungen. Er würdigte das bisher Erreichte und betonte nochmals, wie richtig die Entscheidung war, sich durch die Gründung der HWS rechtzeitig auf die Dinge vorbereitet zu haben, die nunmehr alle betreffen. Mit einem Hinweis auf die nächste Sitzung des Haubergsschöffenrates beschloss er den internen Teil.

Nach einer kurzen Pause, eröffnete Friedrich Freiherr von Hövel den öffentlichen Teil. Er begrüßte namentlich die zahlreichen Ehrengäste, Vertreter aus Politik und Verwaltung sowie die Presse.

Mit deutlichen Worten umschrieb er die derzeitige Misere im Wald und auf den Holzmärkten und richtete einen Appell an die Politik zur Unterstützung. Nicht nur die Fichte sei betroffen und angesichts der verfallenden Holzpreise und der Notwendigkeit zur Wiederaufforstung der Kalamitätsflächen, sei die wirtschaftliche Belastung der Waldbesitzer immens. Die bisherigen Hilfsangebote aus der Politik seien daher bei weitem nicht ausreichend. Bei allem Verständnis für die Niedergeschlagenheit der Waldbesitzenden, rief er dazu auf den Mut nicht zu verlieren und die Herausforderungen anzunehmen.

In seinem sich anschließenden Grußwort zeigte Landrat Lieber Verständnis für die Nöte der Waldbesitzer und bot, wo der Kreis mitwirken könne (z. B. Genehmigungsverfahren für Nasslager) seine Unterstützung an.

Der Forstpolitikreferent im Umweltministerium Dr. Göbel ging danach auf die Neustrukturierung der Holzvermarktung im Land ein. In dieser Hinsicht sah er die Dinge im Landkreis Altenkirchen bereits gut aufgestellt. Angesichts der riesigen Probleme durch Windwürfe und Borkenkäfer riet er zu rascher Aufarbeitung, Holzkonservierung durch Nass-, Trocken- und Folienlager. Die durch die Erweiterung der GAK neu geschaffenen Fördertatbestände würden auch rückwirkend vom Land unterstützt und finanziell begleitet. Bezüglich der Wiederaufforstung könne das Land nur empfehlen. Die Umsetzung bleibe selbstverständlich dem Waldbesitzer überlassen. Man sei allerdings gut beraten, durch den Einsatz klimastabiler Baumarten das Risiko zu streuen. Die neuen Förderrichtlinien sehen Nadelholzanteile bis 70 % und, aus Erfahrung klug, nur noch eine Förderrate vor.

Die kommissarische PEFC-Regionalassistentin Lea Bächle zeigte anschließend die PEFC-relevanten Punkte beim Handeln in Kalamitätssituationen auf (Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Unternehmereinsatz, flächiges Befahren, Kahlschläge, UVV).

Als Hauptredner der Versammlung hatte der Waldbauverein Martin Redmann, langjähriger Forstconsulter, eingeladen.
In seinem Vortrag Klimawandelfolgen: konkrete Auswirkungen auf Wald, Bewirtschafter und Nutzer ging er auf die einzelnen Aspekte der möglichen Folgen des Klimawandels auf den Wald ein, die aktueller kaum zu spüren sein dürften.
Seine Empfehlungen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

STARKE RISIKOSTREUUNG
Laubnadel-/Nadellaubmischwälder kleinflächig und zeitlich mischen.
(Buche, Douglasie, Eiche, Weißtanne, Esskastanie)

MASSIVE RISIKOSENKUNG
Umtriebszeiten / Baumhöhen reduzieren, Wälder verjüngen.
Keine Nutzungszeiten bei Fichte > 80 Jahre, Buche > 120 Jahre.

RISIKOSTREUUNG UND –SENKUNG
Standortskartierung basierend auf Geländeerhebungen mit regionaler Klimainterpretation und zukunftsfähiger Personalausstattung.

SICHERUNG VON WALD- UND HOLZWIRTSCHAFT
Wegemanagement, das Wasserrückhalt und -abführung ohne Schäden zulässt.
Keine Anwendung einer Richtlinie ländlicher Wegebau aus dem Jahr 2015, die Klimawandelfolgen nicht berücksichtigt.
Moderne und gut bezahlte Arbeitsplätze im Wald
Keine Anwerbung junger, engagierter Menschen mit Arbeitsplatzbeschreibungen und stellenweise –bedingungen von gestern.

Mit einem Präsent und dem Dank bei dem Referenten für den Vortrag sowie den Anwesenden für ihr Erscheinen schloss der Vorsitzende um 21.00 Uhr die Versammlung.